Bericht von der Arbeitstagung der deutschen Vereine 2019

Vom   13.   bis   14.   April   hatte   die Landsmannschaft   Ostpreußen   die Vorsitzenden   und   Delegierten   der deutschen   Vereine   im   südlichen Ostpreußen zur jährlichen Arbeitstagung   ins   Hotel   „Anek“   in   Sensburg eingeladen. Thema waren in diesem Jahr die Änderungen in der heutigen   Woiwodschaft   Ermland-Masuren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Teilnehmer der Arbeitstagung.

Es   ist   bereits   Tradition,   dass   die jährliche   Delegiertenversammlung des   Verbandes   der   deutschen   Gesellschaften in Ermland und Masuren   (VdGEM)   bei   der   Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Bärentatze“ in Sensburg in die Arbeitstagung   für   die   Delegierten   und   Vertreter   aller   Vereine   der   Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen   übergeht.   Als   Referenten   zum Thema   „Neue   Nachbarn   –   Deutsche und Polen im Ermland und in Masuren       nach       1945“       konnte Organisatorin   Edyta   Gładkowska die   Autoren   der   gleichnamigen Broschüre     des     Kulturzentrums Ostpreußen   in   Ellingen,   Gabriela Czarkowska-Kusajda,   und   den   Direktor   des   Kulturzentrums,   Wolfgang Freyberg, gewinnen. Die   beiden   Referenten   präsentierten   die   zweisprachige   Veröffentlichung   ebenfalls   auf   Deutsch und Polnisch und gaben einen detaillierten Überblick über ihren Inhalt.   Zu   verschiedenen   Themenblöcken hatten sie 15 Personen befragt und darüber hinaus im Polnischen   Staatsarchiv   und   im   Museum für Ermland und Masuren in Allenstein   recherchiert.  

Wolfgang Freyberg

Auf   den beiliegenden   zwei   CDs   sind   die Gespräche   mit   den   Zeitzeugen   für Leser     und     Hörer     gespeichert. „Wichtig   war,   dass   diese   Personen beide   Sprachen   flüssig   beherrschen“,   so   Czarkowska-Kusajda, die   die   Gespräche   mit   ihnen   geführt hat, „da die Interviews jeweils komplett auf Deutsch und Polnisch waren.“   Auch   die   Suche   nach   Akten in Ordnern, die zum Teil als geheim   gekennzeichnet   waren,   und nach Fotos im umfangreichen digitalisierten   Fundus   des   Museums war ihre Aufgabe. Freyberg war ein Punkt besonders wichtig: „Die Dokumente, die wir ergänzend zu den Aussagen   der   Zeitzeugen   veröffentlicht   haben,   sind   polnische Originalakten.   Was   dort   beschrieben ist, sind zum Beispiel damalige Anweisungen     oder     schriftliche Eingaben von Bürgern.“

Gabriela Czarkowska-Kusajda

Als Anstoß für die nachfolgende Gruppenarbeit   präsentierten   die Referenten   Tonaufnahmen,   unteranderem   von   Bruno   Mischke   aus Deuthen   und   Herbert   Monkowski aus   Allenstein.   Einer   der   Zeitzeugen, Otto Tuschinksi von der Allensteiner     Gesellschaft     Deutscher Minderheit,   nahm   selber   an   der Arbeitstagung   teil.   Aufgabe   der Gruppen   war   es,   eigene   Erfahrungen   beziehungsweise   im   Fall   der jüngeren Teilnehmer Erinnerungen der   Eltern   oder   Großeltern   über das     Zusammenleben     zwischen Deutschen und Polen nach 1945 zu sammeln.  

Gruppenarbeit
Otto Tuschinski

Als   Entspannung   nach der   Arbeit   hatten   die   Organisatoren der Tagung für die Teilnehmer am Sonnabend noch einen Film im Angebot   –   einen   Ausschnitt   aus der   DVD-Box   von   Hermann   Pölking   „Ostpreußen   –   Panorama   einer Provinz“. Diesmal ging es passend   zum   Rahmenthema   um   die Zeit   des   Zweiten   Weltkriegs   und den Untergang Ostpreußens. Gastgeber   in   diesem   Jahr   war der     Sprecher     der     Landsmannschaft   Ostpreußen   (LO),   Stephan Grigat,   der   diese   Aufgabe   für   den erkrankten   Kreisvertreter   von   Ortelsburg,   Dieter   Chilla,   übernommen   hatte.   Er   hatte   am   Sonntagmorgen   vor   der   Präsentation   der Ergebnisse   der   Gruppenarbeiten die   angenehme   Aufgabe,   die   langjährige Vorsitzende der Bartensteiner   Gesellschaft   der   Deutschen Minderheit,   Ewa   Pyszniak,   für   ihren Einsatz für die Minderheit und die Heimat mit dem silbernen Ehrenzeichen der LO   auszuzeichnen.   Außerdem   erläuterte   er   den   Anwesenden   den Ablauf der diesjährigen Bruderhilfe   und   lud   zum   Kommunalpolitischen Kongress der LO am 19. Und 20. Oktober nach Allenstein ein.

Verleihung des silbernen Ehrenzeichens der LO an Ewa Pyszniak.

Ergreifend und erheiternd, traurig   und   fröhlich   verlief   dann   die Präsentation   der   Gruppenarbeiten. In einer Gruppe waren sechs Personen   im   Alter   von   19   bis 76     Jahren,     die     entsprechend unterschiedliche   Erfahrungen   beschrieben.   Immer   wieder   tauchte bei den Aussagen der ältesten Teilnehmer die Änderung der Namen durch   die   polnischen   Behörden als Thema auf, ohne dass andere, gewalttätigere, aber auch schönere Erlebnisse zu kurz kamen. Gerade die mittlere Generation berichtete von   jahrelangen   Hänseleien   in den   Schulen.   Besorgt   beobachtet sie, dass diese Art der Behandlung von   Minderheiten   zuletzt   im   Alltag   in   Polen   wieder   zunimmt.   Es war auch zu spüren, dass es noch viel   mehr   zu   erzählen   gegeben hätte, als es die Zeit der Arbeitstagung letzten Endes zuließ. Die     angenehme     Atmosphäre der   gut   organisierten   Veranstaltung,     aber     auch     das     sonnige, wenn   auch   kalte   Frühlingswetter regten die Vertreter der deutschen Gesellschaften   zur   Mitarbeit   an. Darüber   hinaus   hinterließen   sie einen   sehr   positiven   Eindruck und die Hoffnung darauf, dass die Arbeitstagung     im     kommenden Jahr ebenso gut werden wird.

Präsentation   der   Gruppenarbeiten.

Uwe Hahnkamp