Bericht vom 8. Volkstanzseminar

Zum achten Mal hat die Landsmannschaft Ostpreußen im südlichen Ostpreußen eine Volkstanzwerkstatt für junge Angehörige der Deutschen Minderheit veranstaltet. Die Veranstaltung erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Es war bereits die achte Volkstanzwerkstatt vom 9. bis 11. November in Heilsberg, die die Landsmannschaft Ostpreußen (LO) für junge Menschen der Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen organisierte und finanzierte. Ungewöhnliche Wochentage gab es bei der Planung der diesjährigen Volkstanzwerkstatt für junge Tänzer im südlichen Ostpreußen. Der polnische Unabhängigkeitstag am Montag, dem 11. November, kam der Organisatorin Edyta Gładkowska vom Verbindungsbüro der LO entgegen: „Auf dem Programm standen diesmal schlesische Volkstänze. Bei den langen Fahrten von und nach Schlesien konnten es unsere Trainer ruhig angehen lassen, da wir erst am Samstagnachmittag starteten.“

Es waren wieder Tanztrainer für zwei Gruppen notwendig geworden, da 55 Teilnehmer ab sieben Jahren gemeldet waren. Unter ihnen waren einige Stammgäste von der Tanzgruppe an der Grundschule in Groß Lemkendorf und der Regionaltanzgruppe „Saga“ bei der Deutschen Minderheit in Bartenstein, aber auch junge Tänzerinnen und Tänzer aus anderen Vereinen der Deutschen Minderheit und Schulen mit Deutsch als Minderheitensprache.
Ort für die Volkstanzwerkstatt war wie in den letzten Jahren das Hotel „Górecki“ in Heilsberg, das sich vor allem wegen seiner beiden großen Säle als idealer Veranstaltungsort anbietet.

Im goldenen Saal hatte Katarzyna Łukaszczyk von der Tanz- und Gesangsgruppe „Kattowitz“ an der Schlesischen Universität die jüngeren und unerfahreneren Teilnehmer um sich geschart. Aus ihrer langjährigen Karriere als Tänzerin und Leiterin von Tanzgruppen kennt sie junge Menschen genau: „Sie rennen oft auch noch in der Pause, erholen sich aber schnell.“ Zwar hatte sie ein dichtes Programm aus verschiedenen Tänzen vorbereitet, aber überlasten wollte sie die Kinder nicht: „Wir wollen am Ende des Seminars unser Können vorführen. Also nicht zu viele Tänze, auch wenn wir viele Trainingseinheiten haben.“

Der silberne Saal ein Stockwerk tiefer hat ein etwas kleineres Parkett als Tanzfläche. Hier lotete Werkstattleiter Daniel Dziurka die Kondition und das Können der Erfahreneren und Älteren aus. Er ist wie Katarzyna Łukaszczyk Trainer bei der Kindertanzgruppe des Ensembles „Kleines Schlesien“ in Radzionkau bei Kattowitz und hat sich wie sie an der Universität Rzeszów mit Volkstänzen befasst. Neben Warschau ist dort die einzige Hochschule in der Republik Polen, an der Interessierte die Vermittlung von Tänzen mit Schwerpunkt Volkstanz studieren können.

Eine besondere Herausforderung für die Teilnehmer war seine komplizierte und anstrengende Choreographie des „Diobełek“ („kleiner Teufel“), aber auch diese steckten die Tänzer gut weg. Zwar waren für die meisten von ihnen schlesische Tänze neu, da sie sich im Alltag vor allem mit regionalen, ostpreußischen oder ermländischen Tänzen befassen, aber viele Einzelelemente und Schrittfolgen sind im Volkstanz allgemein ähnlich.

Viele, wie Mateusz Kedra von der Gruppe „Saga“, sind ständig im Training und haben dadurch sowohl eine gute Kondition als auch lange Erfahrung. Mateusz ist schon ein Veteran bei der Veranstaltung. „Ich war schon so häufig hier dabei, dass ich nicht weiß, wie oft eigentlich“, gibt er zu. Wiktoria Wojtkiewicz, bei der Werkstatt und bei „Saga“ seine Tanzpartnerin, kann das dagegen genau sagen: „Ich bin vor drei Jahren zu ´,Saga’´ gestoßen und seither hier dabei. Es ist intensiv, aber man lernt viel und es macht Spaß.“ Einig sind sich beide darüber, dass sich eine Teilnahme nicht nur wegen des neuen Wissens lohnt, sondern auch wegen des Gruppengefühls an diesem Wochenende und des höheren Selbstbewusstseins.

Ein besonderes Bonbon für die Teilnehmer der diesjährigen Tanzwerkstatt war die Verpflichtung der Akkordeonspielerin Ewa Banachiewicz, die schlesische Tänze live zum Training und den Vorführungen beisteuerte. Die jungen Menschen hatten am Wochenende also positive und lebhafte Eindrücke.

Text: Uwe Hahnkamp