Vom „Zwölften“

„Die Zwölften“ – die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag – sind wohl unter diesem Namen in ganz Deutschland und drüber hinaus bekannt. Vom Volksglauben und den Bräuchen dieser Zeit erzählen Frau Kausch, Frau Laging und Frau Radszun:

„Na ja, in der Nacht vom Heiligen Abend zum Ersten Feiertag fingen die Zwölften bei uns an. Von da an beobachten wir genau das Wetter. Wie jeden Tag das Wetter war, ob gelinde oder ob es stiemte und fror, so fiel für jeden Tag im nächsten Jahr das Wetter aus, also Erst-Feiertag war das Wetter für Januar, Zweit-Feiertag für Februar, Dritt-Feiertag für März, Viert – Feiertag für April und so weiter. Und das stimmte aber auch wirklich, wir haben es uns aufgeschrieben, damit wir’s nicht vergaßen, und wussten genau: Na, das Wetter wird denn so und so. „Dat jift e molsche Sommer aff!“ sagen wir dann schon, wenn es an dem und dem Tag so flau war und anfing zu regen und zu missern. Kannten Sie das bei Ihnen auch, Frau Laging?“-

Foto: poradnikzdrowie.pl

„Ja, das kenn‘ ich auch. Und dann wurde keine Wäsche gewaschen.“

„Nein, nein, in den Zwölften wurde nuscht gewaschen, das gab doch Leichen. Wenn man für die Kinder Windeln waschen musste, wurde die auf die Lucht gehängt, draußen schon gar nicht. Es wurde auch nichts gedreht, keine Milch wurde geschleudert, da wurde Schmand abgeschöpft. Und hier – von wegen Kaffee mahlen mit der Kaffeemühl‘, das gab es auch nicht. Denn wenn gedreht wurde im Haushalt, kriegte das Vieh den Drehwurm. Überhaupt wurde nichts gemacht, was rund war. Erbsen wurden nicht gekocht, das gab Geschwüre. Und zu Heilige-drei-Könige wurde doch Kartoffelkeilchen gekocht, Keilchen von rohen und garen Kartoffeln. Da wurden fette Spirgel, auch Zwiebeln‚ rübergebraten und für die Kinder sauren Schmand dazu. Keilchen mussten sein, sonst gerät jahrüber das ganze Viehzeug, das ganze „Jefichel“ nicht.“

„Auch mit der Nähmaschine durfte nicht genäht werden.“

„Nichts wurde geschneidert zwischen Weihnachten und Neujahr, auch gesponnen wurde nicht, nein.“ –

„Nein, da wurden Federn gerissen.“ –

„Beim Federnschleißen gab es viel Spaß. Wenn mal einer dazwischen war, der da nicht ganz hingehörte, der wurde dann so hingesetzt, dass wenn zum Schluss alle pusteten, dass er dann ganz mit Federn bedeckt war. Der war dann der „Fedderkönig“.  Dann kam der gemütliche Teil, da wurden Spaßkes erzählt und ein bisschen getanzt, manchmal bis zum Morgen.“ –

„Ja, zum Federfest wurde abends die ganze Jugend zusammengerufen, dann wurde gesungen, und Fladen war gebacken, – ja, Fladen gehört überall hin. Da sagte man doch: „Ohn Floade, dat es goarnuscht.“ On: „Kannst weete, wer e Stück Floade inne Fupp häft, wenn nich e End rutkickt?“

„Und schön war das doch an den dunklen Abenden, wenn wir vom Federnschleißen kamen oder vom Wollezupfen, da war der Fußweg immer so schmal, da gingen wir hintereinander, und jeder musste ein Laternchen anstecken, und dann bog einer ab und der andere, und einer machte ein Tor auf, und überall in weitem Kreis waren Laternchen zu sehen, das fand ich immer so sehr schön. “ –

Quelle: „Vom Festefeiern in Ostpreußen“ von Hedwig von Lölhöffel-Tharau, Hamburg 1987