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Bildarchiv Ostpreußen

Bericht von der Arbeitstagung der Deutschen Vereine

Für den 7. und 8. April hatte die Landsmannschaft Ostpreußen (LO) die Vorsitzenden und Delegierten der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen zur jährlichen Arbeitstagung ins Hotel „Anek“ in Sensburg eingeladen. Schwerpunktthema war in diesem Jahr „Minderheitenrechte“.

DSC 4767Teilnehmer der Arbeitstagung

Es ist bereits Tradition, dass die jährliche Delegiertenversammlung des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren (VdGEM) in die Arbeitstagung für die Delegierten und Vertreter aller Vereine der Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen übergeht. In diesem Jahr konnten dazu in Vertretung des Lycker Bischofs Pfarrer Jerzy Fidura aus Lötzen sowie Konsul Giuseppe Lo Coco vom Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig begrüßt werden. Als Referenten konnte die Organisatorin vor Ort, Edyta Gładkowska, Bernard Gaida, den Vorsitzenden des Verbandes der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen, und Rafał Bartek, den Vorsitzenden der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien, gewinnen. Gastgeber in Vertretung der LO war wie im Jahr 2017 Dieter Chilla, Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Ortelsburg und Mitglied des Vorstands der LO, der auch diesmal die Veranstaltung souverän leitete.

Auch der LO-Sprecher Stephan Grigat hatte es sich nicht nehmen lassen, persönlich bei der Arbeitstagung dabei zu sein. Neben der Begrüßung hatte er die angenehme Aufgabe, die langjährige Vizevorsitzende der Bartensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit, Jadwiga Piluk, für ihren Einsatz für die Minderheit und die Heimat mit dem Silbernen Ehrenzeichen der Landsmannschaft auszuzeichnen.

Die finanzielle Förderung der Deutschen Minderheit in der Republik Polen durch die deutsche Bundesregierung war das Thema von Konsul Lo Coco. Dieses Kapitel ist für die Vertreter der deutschen Vereine nicht einfach, sind doch je nach Art der satzungsmäßigen Aktivitäten verschiedene Ministerien zuständig. Darüber hinaus werden im Jahr 2018 die Mittel wegen der lang dauernden Regierungsbildung ziemlich spät kommen. Ein Schwerpunkt der Diskussion waren die Sprachkurse in den deutschen Gesellschaften. Sie bieten einerseits die Möglichkeit, der Mehrheitsbevölkerung die eigene Kultur nahezubringen, andererseits rekrutieren die Vereine damit eher selten neue Mitglieder.

Gaida machte auf ein Projekt des Hauses für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Oppeln aufmerksam, das seit Kurzem Treffen für deutsch-polnische Familien organisiert. Sein Hauptthema war die Minority Safepack Initiative, kurz MSPI, die am 3. April zu Ende gegangen ist. Da die Situation der 50 Millionen Mitglieder religiöser, nationaler oder sprachlicher Minderheiten in Europa sehr unterschiedlich war, brachte die Föderative Union Europäischer Nationen (FUEN) 2013 die MSPI auf den Weg, um Minderheitenfragen in die Kompetenz der europäischen Ebene zu verschieben und zu standardisieren. Nach der Ablehnung dieser Bürgerinitiative durch die EU-Kommission und einer Klage vor dem Gerichtshof der EU in Luxemburg wurde sie vom 3. April 2017 bis 3. April 2018 durchgeführt. Das Ziel von einer Million Unterschriften aus 28 Staaten und der Überschreitung einer Mindestzahl von Unterschriften in mindestens sieben Staaten wurde erreicht.

Der Wermutstropfen dabei war, dass in Polen nicht die erforderliche Mindestzahl von 38250 Unterschriften gesammelt wurde. Die Deutsche Minderheit steuerte etwa 21000 zu den gesammelten 25000 Unterschriften bei. Die EU-Kommission muss sich jetzt mit dem Thema befassen. Wie ihre Entscheidung ausfällt, lässt sich aber noch nicht sagen. „Doch selbst wenn sie die Initiative ablehnt, haben zum ersten Mal alle Minderheiten in Europa deutlich mit einer Stimme gesprochen“, sieht Gaida den Erfolg der MSPI und ein Signal für die Zukunft.

Welchen Einsatz von der Deutschen Minderheit diese Zukunft verlangt, war Thema des Referats von Rafał Bartek. Einer gründlichen Analyse der Ausgangslage ließ er Chancen und Vorschläge für Aktivitäten folgen. „Selbst wenn die Menschen sich von ,Gestaltern’ zu ,Empfängern’ ändern, sind die Strukturen der Deutschen Minderheit stabil“, erklärte Bartek, „und die Wirtschaft sieht die deutsche Sprache als Standortvorteil.“ Entsprechend solle gerade die Weitergabe der Sprache erhalten bleiben, aber auch neue Ideen wie die „Miro deutsche Fußballschule“ in Schlesien sollten umgesetzt werden. Eine wichtige Rolle kommt dabei den Medien der Deutschen Minderheit zu, wobei auch hier neue Übermittlungswege wie soziale Medien notwendig würden. Passend dazu wurden bei der Arbeitstagung in Sensburg die Ergebnisse einer Hörerumfrage zur Radiosendung für die Deutsche Minderheit im südlichen Ostpreußen, „Allensteiner Welle“, vorgestellt, die im letzten Jahr durchgeführt worden ist.

Als Entspannung während der intensiven Arbeit hatten die Organisatoren der Tagung für die Teilnehmer am Sonnabend abends einen Film im Angebot – einen Ausschnitt aus der DVD-Box von Hermann Pölking, „Ostpreußen – Panorama einer Provinz“, der sich mit dem Zeitraum von 1914 bis etwa 1932 befasste. Diese Entspannung, aber auch das Frühlingswetter und die gut präsentierten, für die Teilnehmer spannenden Themen in angenehmer Atmosphäre hinterließen bei den Vertretern der deutschen Gesellschaften einen sehr positiven Eindruck und die Hoffnung darauf, dass die Arbeitstagung im kommenden Jahr wieder so gut wird.

Uwe Hahnkamp