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Bildarchiv Ostpreußen

VOLKSTANZSEMINAR 2017

Bereits zum sechsten Mal trafen sich junge Tänzerinnen und Tänzer der deutschen Minderheit in der heutigen Woiwodschaft Ermland und Masuren zu einem intensiven Wochenendseminar. Organisiert wurde es von Edyta Gładkowska, der Vertreterin der Landsmannschaft Ostpreußen in Allenstein, vom 3. bis 5. November wie die letzten Male im Hotel Górecki in Heilsberg. Schwerpunkt waren in diesem Jahr deutsche und schlesische Volkstänze.

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Zur sechsten Volkstanzwerkstatt der Landsmannschaft Ostpreußen waren insgesamt 55 Kinder und Jugendliche sowie ihre Betreuer gekommen. „Wir freuen uns sehr über das konstant rege Interesse. Aber mit dieser Zahl stoßen wir langsam an unsere Grenzen“, erklärt Edyta Gładkowska, „bei noch mehr Teilnehmern müssten wir diese in drei Gruppen teilen und bräuchten noch mehr Raum.“ Eine Teilung in zwei überschaubare Gruppen hingegen, die sich aus pädagogischen Gründen anbietet, ist im Hotel Górecki kein Problem, denn es hat zwei große Säle für das tänzerische Training.

Die Leitung der Werkstatt übernahmen in diesem Jahr Łukasz Szatkowski und Patryk Ledwig. Sie sind Mitglieder der Tanz- und Gesangsgruppe „Dialog“ aus Dylocken bei Oppeln, die sowohl mit ihrer Erwachsenen- als auch der Kinderformation vor vier Jahren in Osterode auf dem Ostpreußischen Sommerfest aufgetreten ist. „Wir präsentieren vor allem deutsche, schlesische und österreichische Tänze, darunter den Böhmerwaldlandler, Graziana oder Buchholzer. Das wollen wir hier in Heilsberg weitergeben“, beschreibt Łukasz Szatkowski, der die Gruppe „Dialog“ seit sieben Jahren leitet, das Programm.

Begonnen wurde mit deutschen Tänzen wie der Kreuzpolka, da deren Schritte für die Tänzer einfacher sind und so ein leichter Einstieg möglich ist. Denn die Teilnehmer der Werkstatt haben unterschiedliche Tanzerfahrung. „Einige haben Talent, aber noch selten systematisch trainiert, andere hingegen treten schon jahrelang in ihren Ensembles auf – und das sieht man sofort“, erklärt Patryk Ledwig. Keinerlei Unterschiede sind dagegen bei Disziplin, Ehrgeiz und der Freude am Tanzen festzustellen. Auch in der Mittagspause drehen sich einige der Teilnehmer auf dem Parkett, andere kommen zu früh zur nächsten Trainingseinheit. Dabei ist der Zeitplan der Werkstatt sowieso schon sehr straff organisiert, um die Zeit intensiv zu nutzen; direkt nach dem Frühstück geht es los und die Musik verstummt erst um 22 Uhr. „Und selbst dann muss man manche Tänzer noch extra ins Bett schicken“, betont Danuta Niewęgłowska, die Leiterin der Tanzgruppe „Saga“ der Gesellschaft der deutschen Minderheit in Bartenstein, ihre Erfahrungen.

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„Saga“ stellte wie im Vorjahr einen großen Teil der Teilnehmer, dazu kam die Gruppe „Mała Warmia“ (dt. „Kleines Ermland“) der Schule in Groß Lemkendorf und eine Gruppe der Grundschule in Frankenau. „An beiden Schulen wird Deutsch als Minderheitensprache, das heißt mit erweiterter Stundenzahl, unterrichtet. Bei der Tanzwerkstatt können die Kinder einen Einblick in deutsche Kultur gewinnen“, erläutert Edyta Gładkowska. Außerdem kamen weitere Jugendliche aus den Gesellschaften der deutschen Minderheit unter anderem in Landsberg, Ortelsburg, Hohenstein und Heilsberg.

Die intensive Begegnung mit ungewohnten Tanzformen verlangte den Teilnehmern einiges ab. Die Erfahrung möchte dennoch keiner von ihnen missen, weder die erstmals antretenden Tänzer noch die „alten Hasen“, die schon zum sechsten Mal dabei waren. Bis auf die in Eigenregie zu organisierende Anfahrt nach Heilsberg war die Werkstatt übrigens für sie kostenfrei. Ihr Dank geht an die Landsmannschaft Ostpreußen, die die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellte.

Text: Uwe Hahnkamp