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Bildarchiv Ostpreußen

Bericht vom Frühlingsseminar für mittlere Generation
der deutschen Minderheit

Die mittlere Generation der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren traf sich auf Einladung der Landsmannschaft Ostpreußen in Kallischken zum Frühlingsseminar. Die Veranstaltung fand in den früheren Jahren unter den Namen „Schlösser und Gutshäusern in Ostpreußen“ statt, aber es stellte sich heraus, dass die Bedürfnisse der Teilnehmer breiter sind und so wurde die Tagung um weitere Programmpunkte bereichert.

Das Frühlingsseminar fand in einem alten Herrenhaus in Kallischken statt, das heute ein Hotel beherbergt. Das Dorf liegt vier Kilometer westlich von Gehlenburg [Biała Piska]. In den 1920er Jahren gehörte dieses Gut mit einer Fläche von 1194 ha der Familie Windensein. Hinter dem großen Herrensitz befindet sich ein wunderschöner alter Park mit einem wertvollen Baumbestand.

Diesjährige Apriltreffen begann mit einer Schulung zum Thema „Kommunikation im Team“. Diesen Seminarteil leitete Dr. Irena Sosnowska. Die Teilnehmer erfuhren, wie man ein effizientes Team aufbaut, welche Rollen es in einem Team gibt, wie man erfolgreich in einer Gruppe arbeitet, sowie wie man für eine Nichtregierungsorganisation wirbt. Mit den erworbenen Fertigkeiten können die Vereinsmitglieder ihre Arbeit in den deutschen Vereinen verbessern.

Danach gab es auch Zeit für einen Ideen- und Erfahrungsaustausch. Die Vertreter der deutschen Vereine berichteten von ihrer Tätigkeit und teilten ihr Wissen miteinander.

Auch ein historischer Teil fehlte nicht: Die Geschichte der Schlösser und Herrenhäuser, die sich in der Nachbarschaft befinden, wurden vorgestellt. Am zweiten Tag fand eine Rundfahrt statt, während derer die Teilnehmer die historischen Objekte besichtigten. Zuerst ging es nach Lupken, wo die Gruppe von der Direktorin der Sonderschule, die sich heutzutage im Herrenhaus befindet, empfangen wurden. Das Dorf Lupken liegt in der Nähe von Johannisburg [Pisz]. Der ehemalige große Gutshof hat eine sehr schöne Lage am Rosch See. Das große Herrenhaus stammt aus der Mitte des 18. Jh. Nachdem ein Feuer in den 1990 Jahren das Gebäude zerstörte, wurde es wieder aufgebaut und saniert. Zurzeit wird die Schule ausgebaut und um weitere Räumlichkeiten sowie eine Sporthalle vergrößert.

Der nächste Punkt war der große Gutskomplex in Billstein [Biała Olecka]. Das Herrenhaus hat eine malerische Lage am weiten Flussgebiet der Legen, etwa 15 km nördlich von Treuburg [Olecko]. Es befindet sich zwischen dem kleinem Park und dem großzügig angelegten Wirtschaftsbereich. Um die Mitte des 19. Jh. gelangte das Gut in den Besitz der Familie Tolsdorff. Sie erbauten Anfangs des 20. Jh. das neobarocke Herrenhaus. Nach 1945 wurde auf dem Besitz ein staatliches Gut gegründet. Im ehemaligen Herrenhaus waren die Arbeitszimmer und Wohnungen der Angestellten untergebracht. Ziemlich ruiniert wurde es verlassen und in den 1980er Jahren von einem Brand heimgesucht. In den 1990er Jahren kaufte ein Privatmann die Ruine und baute das Gebäude nach ursprünglichen Plänen wieder auf und verkaufte es später. Bis heute befinden sich die Innenräume im Rohbau. Die Seminarsteilnehmer wurden von dem neuen Besitzer sehr freundlich empfangen. Er plant in dem Herrenhaus ein Seniorenwohnheim zu errichten.

Die Vertreter der mittleren Generation der deutschen Minderheit besuchten auch das Gutshaus in Lehnarten, das heute leider eine Ruine ist und das Herrenhaus in Elisenhöhe, das renoviert wurde und in dem sich heute ein kleines Hotel mit Restaurant befindet.

Das Seminar wurde vom Verbindungsbüro der Landsmannschaft Ostpreußen in Allenstein organisiert.